Wohin geht es? Nach Montenegro? Hilf mir mal, wo liegt das doch gleich?

 

So ungefähr war meistens die Reaktion, wenn wir von unseren Urlaubsplänen erzählten. Einige wenige wussten aber genau Bescheid und schwärmten von dem Land.

Noch ist Montenegro ein echter Geheimtipp. Obwohl das Land recht klein ist, kann man hier Küstenlandschaften erleben, durch verträumte Orte schlendern, Gletscherseen bestaunen, in atemberaubenden Bergregionen wandern, auf spektakulären Panoramastraßen fahren sowie den zweittiefsten Canyon der Welt besuchen.

Reisezeit 19.05.- 25.05.2022

Tag 1

Mit dem Flieger geht es von Köln nach Podgorica. Wir reisen wieder mit leichtem Gepäck (nur 8kg Handgepäck).

Über check24 haben wir uns einen kleinen Wagen gebucht und die Übergabe am Flughafen läuft ohne Probleme. Da Montenegro nicht zur EU gehört brauchen wir noch SIM Karten, wir kaufen eine mit 400GB für 10€, das reicht für uns beide.

Wir sind wieder unterwegs. Neue Orte, neue Straßen, neue Kultur…entlang der montenegrinischen Küste fahrend, machen wir die erste Bekanntschaft mit der schönen Landschaft dieses kleinen Landes- unsere Entdeckungsreise nimmt ihren Lauf.

Tag 2

Wir fahren los in Richtung Ostrog, wo wir das gleichnamige Kloster aufsuchen wollen. Als wir durch die Ebene fahren, sehen wir schon das Kloster. Es scheint an einem Felsen zu kleben. Wie hat man so einen Bau fertigstellen können?

Mit unserem Auto können wir bis ganz nach oben fahren. Da es noch recht früh am Morgen ist, sind wir fast die einzigen Besucher. Nachdem wir uns die wunderschönen Bilder angeschaut und uns mit der Geschichte des Klosters vertraut gemacht haben, genießen wir noch einmal den großartigen Blick in die Ebene.

Ostrog Monastery

Weiter geht es in die Berge. Eigentlich haben wir geplant mit dem Sessellift auf den Savin Kuk zu fahren, aber der Sessellift läuft leider erst ab Juni. Wir spazieren ein Stück weit hoch und machen dort eine Rast.

 

Man beachte die passende Fußbekleidung.

 

Der Crno jezero (deutsch: schwarzer See) ist ein Gletschersee im Norden.

Der See liegt auf einer Höhe von 1416m. Wir drehen eine Runde und staunen, als wir Krokusse und Schnee entdecken bei einer Temperatur von 20 Grad.

Wir haben noch etwas Zeit und starten spontan eine Wanderung zum Jablan See. Er ist mit 8,5m der tiefste See im Nationalpark und liegt auf knapp 1800m über dem Meeresspiegel.

Wir sind wohl nicht ganz passend für diese Wanderung gekleidet, denn nach einiger Zeit gehen wir über Matsch, Schnee und müssen vielen Pfützen ausweichen. Sobald die Sonne tiefer steht, wird es sehr kalt und dunkel im Wald und der Weg ist auch nicht wirklich ausgeschildert. Aber wir schaffen es.

Jablan see

Für zwei Nächte haben wir uns auf der Organic Farm einquartiert und heute bekommen wir auch das Abendbrot von den Besitzern gekocht. Wir wissen auch gar nicht, was uns erwartet, denn wir haben der Besitzerin mit Handzeichen versucht zu erklären, was wir mögen und was nicht.

Alles wird frisch vom eigenen Anbau zubereitet und es schmeckt uns gut.

Tag 3

Und wieder beginnt ein Tag voller Sonnenschein vom herrlich blauen Himmel. Unser Frühstück bekommen wir draußen serviert – mit einer fantastischen Aussicht.

Unser erstes Ziel: Tara Bridge.

Die große Tara Bridge ist mit ihrer Lage über der Schlucht ein wirklich schönes Motiv. Egal ob man von der Seite schaut oder einmal die komplette Brücke überquert und auf den Canyon herunterschaut.

Es gibt an verschiedenen Stellen die Möglichkeit neben der Brücke die Schlucht mittels einer Zipline zu überfliegen – wir suchen uns die Längste Strecke raus und können ohne langes Anstehen direkt starten.

Man sollte auf jeden Fall keine Höheangst haben – dann kann man dieses Ereignis wirklich genießen. Und zu zweit – hintereinander – ist es besonders schön.

Einmal die Füße in die Tara strecken – das machen wir einfach jetzt.

Eigentlich wollten wir den Sedlo Pass überqueren – aber wir wurden schon vom Sohn der Besitzerin gewarnt, dass es aktuell wegen dem Schnee auf den Straßen nicht möglich ist. Wir fahren so weit wie wir können – und ja, dann ist die Straße mit Steinen gesperrt, so dass kein Weiterfahren möglich ist.

Dort oben ist die Aussicht aber so wunderschön und ein Stück weiter entdecken wir einen See.

 

Nach einem kurzen Wanderweg springt Niko in das kühle Nass (es ist ein Gletschersee) und ich wundere mich gar nicht über ihn – denn so ist er halt. Er liebt es – und ich schaue zu und genieße die warmen Sonnenstrahlen.

Zum Abend fahren wir noch zum Pivsko Jezero – das ist der größte Stausee Montenegros. Der Weg führt durch viele in Fels gehauene Tunnel.

Das Abendessen genießen wir im Restaurant Socica in der Nähe des Stausees. Sehr lecker und preiswert.

Tag 4

Unser Weg führt von Zabljak bis nach Perast ganz in den Süden des Landes.

Unterwegs machen wir einige Bilder, denn die Natur ist so wunderschön. Wir lassen das Auto auf einem kostenlosen Parkplatz (bis Ende Mai kostenfrei) und spazieren in die Stadt hinein. Die Adria glitzert in der Sonne und die Straßen sind recht voll von Touristen. Trotzdem finden wir den Ort wunderschön. Der unter Denkmalschutz stehende Ort zählt heute nur noch 300 Einwohner. Gleich am Ortseingang bietet uns ein Herr eine Bootstour – nur für uns zwei, so dass wir ganz frei entscheiden können, wo es lang gehen soll. Wir nehmen das Angebot an und hören ihm zu, wie er die Geschichte von Perast und den wichtigsten Einwohnern erzählt.

Vor Perast befinden sich zwei Inseln, an denen wir mit dem Boot vorbeifahren. Eine Insel mit einer Kirche drauf und die andere mit einem Kloster. An der Kirche könnte man anlegen und besichtigen, aber wir verzichten darauf.

Zurück an Land gehen wir zum Glockenturm der St. Nicholas Kirche.

Für einen Euro dürfen wir zum Glockenturm mit Panoramablick klettern.

 

Unser nächstes Ziel: der Lovcen Nationalpark

Die spektakuläre Serpentinenstraße verbindet die Stadt Kotor mit dem Lovcen Nationalpark, der auf über 1700 Metern Höhe inmitten der Berge liegt. Schon die Anfahrt über die schmale Panoramastraße ist ein absolutes Highlight. In ganz vielen steilen Kurven windet sie sich immer weiter bergauf.

Kleine Haltebuchten ermöglichen es, den atemberaubenden Ausblick auf die Adria und die Bucht von Kotor zu genießen. Ich habe ganz schön Herzflattern bei dem Weg, vor allem wenn uns ein Auto entgegenkommt und man auf der schmalen Straße sich aneinander vorbeizwängen muss. Und der Abgrund ist sehr steil.

Oben angekommen, kann man das Mausoleum besuchen. Aber wir haben daran kein Interesse. Das Beste ist die runde Aussichtsplattform mit einem 360-Grad Ausblick, allerdings hat es dann angefangen zu regnen und wir konnten die Aussicht nicht wirklich genießen. Es ging also ziemlich schnell wieder bergab.

 

Die Wohnung in Kotor ist wunderschön – aber vor allem die Aussicht vom Balkon raubt uns den Atem.

Tag 5

Heute ist unser 24.Hochzeitstag und wir feiern unsere Liebe. Das Frühstück mit Aussicht schmeckt uns sehr gut und voller Tatendrang geht es weiter auf Erkundungstour.

Zunächst fahren wir wieder entlang der Berge bis nach Bar. Unterwegs legen wir noch ein Fotostopp ein. Es ist ein „MUSS“, denn wir haben einen Superblick auf die kleinen „Hotelinsel“ ST. Stefan, die vom Meer umspült und nur durch einen engen Steg mit dem Festland verbunden ist. Leider ist es gerade etwas bewölkt, so dass die Bilder nicht wirklich schön werden.

Die auf einem Hügel liegende Altstadt von Bar (Stari Bar) ist nicht mit den anderen Altstädten zu vergleichen. Umgeben von knorrigen Olivenbäumen und Geröll, stehen in Stari Bar nur noch Ruinen und Überreste der alten Stadtmauer. Die Altstadt ist eher ein Museum, in dem man durch die Vergangenheit schlendern und von der Geschichte einiges erfahren kann.

Sveti Stefan ist eine malerische Insel und ein Highlight Montenegros (ein beliebtes Kartenmotiv). Dieses ehemalige Fischerdorf wurde 2007 zu einem Hotel umgebaut. Für diese Aussicht sind wir hoch zu der St. Sava Church gefahren. Der Weg dahin ist recht abenteuerlich.

Nach einem erfrischenden Bad in der Adria steuern wir unser nächstes Ziel an: die Festung Sveti Ivan.

 

Mitten im Getümmel der Altstadt beginnt ein schmaler, ausgetretener Pfad, der über 1350 unregelmäßige Steinstufen steil nach oben führt.

Obwohl es schon nach 17 Uhr ist laufen uns die Schweißperlen über den Rücken. Der Aufstieg über die nie enden wollenden Stufen ist anstrengend, doch die Mühe lohnt sich. Das wissen wir spätestens in dem Moment, als wir uns zum ersten Mal umdrehen.

Am höchsten Punkt der Festungsanlage angekommen, liegt uns die atemberaubende Bucht von Kotor zu Füßen. Glatt wie ein Spiegel ruht das tiefblaue Wasser zwischen den Bergen. Während wir einfach nur dastehen und die Aussicht bestaunen, geht die Sonne langsam unter. Dieses Bild ist einmalig.

Den Abend lassen wir im Restaurant Konoba Skolji ausklingen – es wird frisch für uns gegrillt und sowohl das Thunfischsteak als auch die Cevapcici schmecken köstlich. (100% Empfehlung)

Tag 6

Noch einmal die fantastische Aussicht genießen, dann fahren wir weiter.

Bevor wir den Skadar Lake erreichen, legen wir einen kurzen Zwischenstopp am Aussichtspunkt Rijeka Crnojevica ein. Von hier blicken wir hinunter ins Tal, in dem sich ein Flusslauf durch die wunderschöne Landschaft windet.

Weiter geht es nach Virpazar, dem Hauptort am Ufer des Skadar Lakes, wo wir eine einstündige Bootstour unternehmen.

Während das kleine Holzboot sanft über den größten See des Balkans gleitet, sitze ich im Bug und schaue zu, wie sich das Wasser vor mir teilt.

Eine angenehme Stille umgibt uns, als wir die Seerosenstraße durchqueren und die Blütenpracht bewundern. Die umliegenden Berge sowie das goldgelbe Nachmittagslicht lassen die Zeit stillstehen. Dieses Erlebnis werde ich so schnell nicht vergessen.

Ja, das war es nun. So langsam müssen wir Abschied nehmen von Montenegro, diesem kleinen Land, das uns mit seiner abwechslungsreichen Landschaft so sehr überrascht hat. Eine letzte Strecke liegt vor uns bis nach Podgorica. Die Verkehrsregeln hat Niko sehr schnell gelernt. Im Kreisverkehr gilt „der Schwächste bremst zuerst“, Blinker sind überbewertet und man hilft dem Hintermann beim Training seiner Reflexe, indem man beim Abbiegen ohne Blinken eine Vollbremsung einlegt. In den Gassen wird man immer wieder überrascht, wenn herauskommt, dass die Straße doch keine Einbahnstraße ist, sondern auch noch Gegenverkehr anrückt. Ab und zu muss man dann halt wieder rückwärts raus aus der Straße.

Aber trotz dieser kleinen Schwierigkeiten – oder gerade deswegen – finden wir das Land einfach nur wunderschön. Mit den Menschen, der Natur, dem Essen – ach eigentlich mit allem Drum und Dran. Wir empfehlen es sehr gern weiter.

Wer die Abenteuerlichkeit des Reisens ins Blut bekommt, wird diese Abenteuerlichkeit nicht wieder los. Bruno H. Bürgel

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